Agentur vs. Unternehmen - Vorurteile und die Nachwuchsdebatte im Überblick

August 29, 2016

Die #Nachwuchsdebatte ist wieder voll entflammt! In einem Streitgespräch in der aktuellen W&V diskutieren Jörg Schillinger, Chef des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP) und Uwe Kohrs, Präsident der Gesellschaft führender Public Relations Agenturen e.V. (GPRA) über die Attraktivität von Ausbildungsplätzen in der PR. 

 

In der neu aufgekommenen Nachwuchsdebatte heißt es: Der Nachwuchs in der PR-Branche fehlt – sowohl auf Seiten der Unternehmen als auch der Agenturen. Worum geht es genau in dieser sogenannten Nachwuchsdebatte? Mit welchen Vorurteilen haben beide Seiten zu kämpfen? 

 

 

Die Agentur - Viele Erfahrungen, schlechte Arbeitsbedingungen

 

PR-Agenturen haben den Ruf, eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Logisch: eine Agentur mit vielen Kunden behandelt die unterschiedlichsten Themen und man darf vom Strategiekonzept bis zur Facebook-Betreuung alles mögliche einmal machen. Auch werden Young Professionals mit einer Agenturausbildung anderswo gerne genommen, da man weiß: „Die können richtig zupacken!“ 

 

Hier schlummert schon der erste negative Aspekt, der Agenturen nachgesagt wird. Es wird sehr viel gearbeitet. Deadlines, Druck von Seiten des Kunden oder bevorstehende Pitches erfordern die ein oder andere Nachtschicht oder zumindest lange Arbeitstage jenseits der acht Stunden. Überstunden sind häufig unbezahlt, und auch die Bezahlung selbst fällt im Vergleich zu anderen Organisationsformen recht mager aus. 

 

Dennoch scheint das Arbeiten in der Agentur irgendwie „cool“ zu sein. Mobiles Office, viele junge Menschen unterschiedlichster Herkunft, Macbooks, Küche mit Gratis-Mate oder gemeinsame Socializing-Abende. In der Agentur geht es locker zu. 

 

Das Unternehmen - Gutes Gehalt, festgefahrene Strukturen

 

Unternehmen erscheinen jungen Bewerbern heute als attraktiver. So bieten diese meist ein fokussiertes Kommunikationsthema und einen sicheren Arbeitsplatz. Hinzu kommt das in der Regel wesentlich höhere Gehalt, was bereits Berufseinsteiger erwarten können. 

 

Dennoch haftet Unternehmen auch das Image an, träge zu sein. Niemand ist so richtig motiviert, Abstimmungswege sind langwierig und zäh und hinterher bleibt doch alles beim Alten. Das ist für Berufseinsteiger mit Tatendrang schwer zu ertragen. Und die Arbeit im Unternehmen ist nicht so spannend wie in einer Agentur. Einleuchtend, da ein Unternehmen eben nicht die thematische Bandbreite abbilden kann. Entsprechend hat man nach einer Kommunikationsausbildung im Unternehmen nicht ganz so viele Erfahrungen gesammelt.

 

Dafür bietet das Unternehmen neben einem sicheren Arbeitsplatz einen planbaren Arbeitsalltag. Feste Arbeitszeiten, klassischerweise von 9 bis 17 Uhr; Zeitausgleich oder sogar Firmenwagen. Diese Annehmlichkeiten sind bei Young Professionals beliebt.

 

Das „Problem“ mit dem anspruchsvollen Nachwuchs

 

Aus diesen Gründen sieht die klassische Karriere in der PR für viele Arbeitnehmer so aus: Erfahrungsreiche Ausbildung in der Agentur und danach angenehmer Arbeitsalltag im Unternehmen. Das passt den Agenturen natürlich nicht. Diese wollen junge Talente lieber langfristig an sich binden. Entsprechend fehlt es den Unternehmen an Nachwuchs, da viele Einsteiger mit Anfang bis Mitte 20 sich noch nicht durch eine Ausbildung an ein Unternehmen binden wollen.

 

Hinzu kommt, dass junge PRler aus der berüchtigten „Generation Y“ viele neue Ansprüche an einen Arbeitgeber stellen. Diese Ansprüche sind sowohl für Agenturen als auch Unternehmen noch vollkommen neu und werden deshalb bisher oft nur unzureichend erfüllt. 

 

Berufseinsteiger wissen, was sie wert sind und sind deshalb nicht mehr bereit, für wenig Geld viel zu arbeiten, wenn sie keinen Sinn darin sehen. Genauso wenig wollen sie gegen starre Strukturen arbeiten müssen und langweilige Routine erledigen. Es scheint wie eine Zwickmühle - kein Unternehmen und keine Agentur kann es dieser Generation Y wirklich recht machen. 

 

Die Lösung liegt darin, genau hinzuschauen und aufeinander zuzugehen

 

Es ist so eine Sache mit den Klischees. Sie kommen nicht von ungefähr, aber sie sind auch nicht immer zutreffend. Rückblickend auf meine Erfahrung in Agenturen kann ich sagen: Manche positiven, wie auch negativen Vorurteile habe ich dort wiedergefunden. Aber auch Dinge, die eigentlich ganz untypisch für Agenturen waren. Gelernt habe ich also, dass sich „die Branche“ nicht über einen Kamm scheren lässt und es sich lohnt, sich einzelne Agenturen, Unternehmen und deren Ausbildungen genauer anzuschauen. 

 

Weiterhin ist es wichtig, dass Agenturen und Unternehmen, aber auch Studierende und Young Professionals in den Dialog treten und Maßnahmen zur Verbesserung der Attraktivität von keiner Seite „ins Blaue heraus“ unternommen werden. Ein Streitgespräch wie in der W&V oder das Formulieren von Studentenstimmen gehen diesbezüglich in eine gute Richtung. So lassen sich Ansprüche und Wünsche unterschiedlicher Seiten vielleicht überein bringen.

 

Und zu guter letzt appelliere ich nochmals daran, wertschätzend zu sein. Agenturen und Unternehmen sollten bereits in der weiterführenden Ausbildung die Fähigkeiten und Kenntnisse junger Talente anerkennen und honorieren. Im Gegenzug aber sollten diese wiederum die ihnen zu Gute kommende Ausbildung wertschätzen. 

 

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Mit Bart und Mac

Hey. Mein Name ist Jan. Auf "Mit Bart und Mac" teile ich meine Erfahrungen zum Thema Studium, Praktika & Jobs sowie Trends aus dem Feld der Kommunikation. 

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© 2018 Jan Reinholz