Aus der Bachelorarbeit: Wie unterscheiden sich Themen in Print und Online?

September 30, 2016

Kurz vor Ende meiner Bachelor-Bearbeitungszeit dachte ich mir: Hat das alles überhaupt irgendeinen Wert? Meine Absolventenfeier vergangene Woche beantwortete mir diese Frage. Zwar kann es meine Bachelorarbeit sicher nicht mit einer breit angelegten hochwissenschaftlichen Studie aufnehmen, aber über reine Vermutungen gehen die darin gewonnenen Erkenntnisse allemal hinaus. 

 

In dem heutigen Beitrag möchte ich auf Erkenntnisse zu einem Bereich meiner Arbeit eingehen. Da anzunehmen war, dass sich Themenkarrieren in klassischen und digitalen Medien hinsichtlich ihrer Dynamik stark unterscheiden, sollte mittels einer Unterforschungsfrage folgendes untersucht werden: Wie unterscheiden sich Themenverläufe in Print- und Online-Medien?

 

Hintergrund der Arbeit

In meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich damit, wie sich klassische und digitale Themenverläufe mit Hilfe von Issues Management beeinflussen lassen. Betrachtungsgegenstand war dabei die mediale Auseinandersetzung zwischen den Mobilitätsdienstleistern Taxi Deutschland und Uber. Zur Beantwortung meiner Forschungsfrage führte ich eine quantitative Inhaltsanalyse durch und setzte sie mit dem von Taxi Deutschland durchgeführten Issues Management in Beziehung.

 

Die Arbeit konnte erwartbare, aber auch überraschende Ergebnisse hinsichtlich der Unterschiede zwischen klassischen und digitalen Medien aufzeigen. Das waren die vier wesentlichen Erkenntnisse:

 

1. Klassische und digitale Themenkarrieren verlaufen im Groben gleich

 

Dies mag zunächst redundant erscheinen, ist aber keineswegs überflüssig zu erwähnen. Klassische Medien sind an tägliche Publikationen gebunden, während digitale Kommunikation rund um die Uhr stattfinden kann. Ebenso lässt sich vermuten, dass Online-Medien teilweise andere Nachrichtenfaktoren stärker berücksichtigen. Dennoch sind „Online“ und „Offline“ keine in sich geschlossenen Systeme, sondern sie beziehen sich aufeinander. Dies lies sich in der Arbeit an ähnlichen Themenkarrieren mit zeitlich gleichen Höhepunkten festmachen.

 

 

2. Print-Artikel sich durchschnittlich länger als Artikel in Online-Medien

 

Fast über den gesamten betrachteten Themenverlauf hinweg, dass Artikel in der Printberichterstattung stets länger und ausführlicher über das Thema berichten. Während Online-Artikel im Schnitt 415 Wörter lang sind, waren Print-Artikel mit 509 Wörtern wesentlich länger. Diese Tendenz lässt sich mit der erforderlichen Schnelligkeit der digitalen Bericherstattung begründen, wohingegen den Journalisten für die Ausformulierung eines Artikels im Print-Bereich mehr Zeit zur Verfügung steht. 

 

3. Innovative Themen werden häufiger im Online-Raum behandelt

 

Ein Bestandteil der Analyse beschäftigte sich mit dem Anteil der Konfliktparteien an der Berichterstattung. So nahm Uber zeitweise in rund 70 Prozent der Artikeln der Online-Berichterstattung einen größeren Anteil ein als Taxi Deutschland oder die Taxi-Branche im Allgemeinen. Grund dafür könnte ein höheres Interesse seitens der Online-Redakteure an dem neuen Wettbewerber sein, dessen Dienstleistungen gerade zu Anfang erklärungsbedürftiger sind. Auffällig ist außerdem dass besonders zum Ende des Themenverlaufs die Print-Berichterstattung wiederum mehr über die Taxibranche berichtet.

 

 

4.  Aufmerksamkeit und Tonalitäten entwickeln sich in Online-Medien dynamischer

 

Nicht nur, dass die reine Anzahl an Artikeln und damit die Aufmerksamkeit im Vergleich zu Print-Medien online stärker schwankt, auch im Hinblick auf die Tonalität der Berichterstattung weist der Online-Raum Besonderheiten auf. So zeigte die Untersuchung eine sehr auffällige Veränderung in Bezug auf die Einstellung gegenüber Uber. Zeigten sich zu Beginn des Issues noch die Hälfte der Berichte pro Uber, wurde die positive Tonalität im Netz schrittweise weniger, bis sie in Phase vier schließlich gänzlich verschwand. Dies legt die Vermutung nahe, dass sich Tonalitäten im Online-Raum dynamischer beeinflussen lassen als in klassischen Medien.

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