Neuer Datenskandal – Steht Facebook vor dem aus? #deleteFacebook

March 22, 2018

Facebook steht ja schon seit langem vielfach in der Kritik – ob aufgrund von Hasskommentaren, Fake News oder Filterbubbles. Auch Problematiken um undurchschaubare Algorithmen, verschleierte Werbung und Bots verärgern regelmäßig die Nutzer. Der Cambridge-Analytica-Skandal entfacht eine neue Welle der Empörung und stellt das Thema Datenschutz wieder in den Mittelpunkt der Debatte. Unter dem Hashtag #deleteFacebook entfacht sich eine Netzdebatte, die Nutzer zur Löschung des Netzwerks aufruft und welche sogar von einem der Whatsapp-Mitgründer vorangetrieben wird.

 

Kann Mark Zuckerberg den schleichenden Tod des Netzwerks aufhalten? Foto: Facebook

 

Im Zuge dieses Datenskandals fragt Gründerszene: „Haben sich soziale Medien überlebt?“ Snapchat steckt schon lange in der Krise, Facebook wächst in den USA nicht mehr und selbst Instagram wird von den jungen Nutzern immer mehr verschmäht. Für Netzkoryphäe Schlecky Silberstein ist Facebook kein soziales Netzwerk. Er vergleicht das Unternehmen in seinem kürzlich erschienenen Buch Das Internet muss weg“ mit einem Plantagen-Besitzer, der die Nutzer mit Interaktionsanreizen füttert, um Daten im großen Stil ernten zu können. Mit „Addictive Design“ werden gezielt unsere Belohnungszentren im Kopf aktiviert. Und man muss anerkennen: Das funktioniert definitiv mit der leichten Abhängigkeit von „Ping’s“ und „Likes“.

 

Junge Nutzer sind genervt – und wandern ab

 

Doch ganz so leicht sind die Nutzer dann doch nicht an das Netzwerk zu binden. Gerade jüngere Nutzer sind schnell, wenn es darum geht, auf eine neue Plattform zu wechseln, wenn sich Facebook plötzlich in der Generation der Eltern oder gar Großeltern etabliert hat. Nicht nur der durch Mutti beeinträchtigte Hype-Faktor, auch ganz praktische Probleme bei der alltäglichen Nutzung lassen User abwandern.

 

Wer heute seinen Facebook-Feed öffnet, der sieht eine ganze Menge – doch immer seltener das, was er sich ursprünglich einmal davon versprach. Standen damals noch Freunde, Nachrichten und chronologische Meldungen im Vordergrund, sind es heute mehr oder weniger relevante Posts von Seiten, Werbeeinblendungen und ältere Beiträge, die entfernte Freunde mal kommentiert haben. Als Nachrichtenquelle taugt Facebook schon lange nicht mehr, weshalb ich – sicher als Spätzünder – vor kurzem auf RSS-Feeds ausgewichen bin. Hier bekomme ich genau das, was ich will. Chronologisch. Relevant. Werbefrei.

 

Selbst der sorgloseste Nutzer hat irgendwo Grenzen

 

Seitens der Nutzer herrscht seit jeher eine starke Doppelmoral vor. Sie finden Datenschutz enorm wichtig und fordern ein, dass Facebook aus diesen persönlichen Daten am besten gar keinen Profit schlägt. Gleichzeitig sind sie bereit, für nur ein kleines Stück Bequemlichkeit und Innovation alle ihre Daten preiszugeben. Angesichts des massiven Datenmissbrauchs von Cambridge-Analytica könnte das Fass aber tatsächlich langsam zum überlaufen kommen. Irgendwann haben auch die sorglosesten Nutzer die Nase voll.

 

Aber kann ein RSS-Feed oder die gehypte neue App "Vero" wirklich Facebook Konkurrenz machen? Bislang braucht sich Facebook nicht zu sorgen, das Geschäft brummt. Aber langfristig wird Facebook dem typischen Lebenszyklus eines gehypten Produkts zum Opfer fallen und unter der Last der vielen immer wiederkehrenden Brandherde zusammenbrechen – wenn Zuckerberg nicht grundlegend etwas an seinem Geschäftsmodell ändert.

 

Geld verdienen zu jedem Preis? Horrende Gewinne einstreichen, sich aber jeglicher Verantwortung gegenüber Nutzern und ihrer Daten entziehen? Nutzerbedürfnisse immer häufiger denen der Werbetreibenden hintenanstellen? Wenn das so weiter geht, könnte #deleteFacebook ausnahmsweise mehr werden als eine harmlose, eine Woche andauernde Debatte im Netz.

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Mit Bart und Mac

Hey. Mein Name ist Jan. Auf "Mit Bart und Mac" teile ich meine Erfahrungen zum Thema Studium, Praktika & Jobs sowie Trends aus dem Feld der Kommunikation. 

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© 2018 Jan Reinholz